
(Quelle:
Verfasst von einem unbekannten Autor in Luftfahrt International 1975 Heft 9)
Rudolf Schriever ist in den 50er
Jahren verstorben. Einige Quellen behaupten, auf ziemlich mysteriöse Weise. Hierbei
verschwanden Orginalunterlagen. In seinem Nachlass fanden sich neben einer undatierten,
von dem Erfinder offenbar nach dem Krieg verfaßten provisorischen Baubeschreibung nebst
rohen Skizzen seines Fluggerätes mehrere einschlägige Zeitungsauschnitte. Die ersten
dieser Notizen datieren vom 30.3. und 2.4.1950. Rudolf Augsteins flinke Reporter, sonst
der Konkurrenz sehr oft um mehrere Nasenlängen voraus, konnten in diesem Fall die
sensationelle Nachricht über Schrievers Flugkreisel nur ganze drei Tage vor dem
offensichtlich aus der gleichen Quelle schöpfenden Wochenblatt "Heim &
Welt" herausbringen. Diese beiden Veröffentlichungen mit ihrem im wesentlichen
übereinstimmenden Inhalt könnten als Unterlage für ähnliche Berichte dieser Art
gedient haben, die sich jedoch in manchen Punkten, zum Teil sogar erheblich, von den
beiden Erstveröffentlichungen unterschieden.
Bei kritischer Durchsicht des vorliegenden Materials stellt man schnell
eine Vielzahl offensichtlicher Unstimmigkeiten fest. So entstand nach einer Quelle die
Idee zu Schrievers Untertasse im Jahre 1942, nach diversen anderen dagegen schon 1941,
während eine weitere ein ganz präzises Datum nennt: den 15.7.1941.
Nach einer Aussage flog Schrievers Modell am 1.6.1942, nach
einer anderen dagegen 2 Tage später. Das Datum des Baubeginns der eigentlichen Maschine
ist ähnlich unklar: einmal wird 1943, ein anderes Mal dagegen 1944 erwähnt.
Noch spannender wird's beim Datum der Fertigstellung:
während ein angeblicher Augenzeuge, ein Obering. Klein, behauptet, daß er den Erstflug
des Schrieverschen Geräts am 14.2.1945 gesehen habe, gibt der Erbauer Schriever an, daß
der Vogel erst im April 1945 zur Erprobung bereitstand, nicht geflogen habe, sondern vor
dem Erstflug zerstört worden sei.
Die Aussage des "Augenzeugen" Klein gewinnt nicht an
Glaubwürdigkeit, wenn man erfährt, dass eine im Kriegstagebuch der 8. Luftflotte als
Anlage noch vorhandene Wettermeldung vom 14.2.1945 für den in Betracht kommenden Raum
eine sehr niedrige Wolkendecke, Regen, Schnee und schlechte Sicht verzeichnet. Das sind
Witterungsbedingungen, bei denen man ein so revolutionäres Fluggerät ganz bestimmt nicht
zum Erstflug starten läßt. Bei einer in 400- 800 m Höhe beginnenden, 8/10-10/10
geschlossenen Wolkendecke wäre es kurz nach dem Start außer Sicht geraten.... .
Aber die Unstimmigkeiten gehen noch weiter. Nach einer Quelle
wurde als Transportmittel bei der Flucht ein Flugzeug, nach anderer Lesart ein Auto
benutzt. In einem Falle war das Flugziel München und die Firma Dornier, im anderen der
Bayrische Wald, im dritten noch präziser der Ort Regen.
Auch wann und wo Schrievers Unterlagen abhanden kamen, wird
ganz unterschiedlich geschildert. Während dies z.B. laut "Spiegel" am 4.8.1945
in Bremerhaven geschah, passierte der Diebstahl nach anderen Quellen bereits am 14.5.1945,
also wenige Tage nach dem Absetzen aus Prag, nach anderer Lesart dagegen erst Wochen
später.
Provisorische Baubeschreibung
des Schrieverschen Flugkreisels:
Zusammengestellt anhand
eines Manuskriptes des Erfinders;
Der Rumpf besteht im wesentlichen aus einer linsenfoermig abgeplatteten Kabinenkugel, die
in der Mitte einer Flügelblattscheibe angeordnet ist und aus einer oberen und unteren
Hälfte besteht. In dem oberen Teil befindet sich der Kommandostand für eine mehrköpfige
Besatzung, ausgerüstet mit Bedienungs-, Navigations- und Triebwerksüberwachungsgeräten
und -instrumenten, sowie die Steuerorgane. Am bzw. im unteren Teil, das gegenüber dem
oberen um 360 Grad drehbar ist, sind zwei Strahltriebwerke nebst Tanks angeordnet.
Federnde, unterhalb der Triebwerke angeordnete Bauteile ersetzen das sonst übliche
Radfahrwerk. In Höhe des Schwerpunktes des Gesamtsystems befindet sich an der Kabine
ein ringförmiger Ansatz, in dem auf besonderen Lagern eine Schaufelblattscheibe läuft.
Die Blattspitzen der 21
Schaufeln sind von einem Ring umschlossen, der nicht nur zur Stabilisierung, sondern auch
zur Verminderung des induzierten Widerstandes dient. Drei unterhalb der
Flügelblattscheibe angeordnete Strahltriebwerke dienen zum Antrieb der Scheibe. Die
Triebwerke sind an so genannten Trägerplatten aufgehängt, die gleichzeitig als
Kraftstoffbehälter dienen. Für Start, Landung und Senkrechtflug wird die Blattscheibe
auf 1650-1800 U/min gebracht; bei 3t Fluggewicht steigt das Gerät senkrecht mit ca. 100
m/sec. Für den Reiseflug wird die Drehzahl auf 500 U/min gedrosselt, die Steigung der
Schaufeln so verändert, das weder Auf- noch Abtrieb vorhanden ist und die beiden
Triebwerke in der unteren Rumpfhälfte werden in Gang gesetzt. Im Horizontalflug erreicht
das Gerät 4200 km/h. Bei Schrägstart werden alle fünf Triebwerke gleichzeitig
eingesetzt. Die Steuerung um die Hochachse erfolgt durch Drehen der unteren Rumpfhälfte
gegenüber der oberen.
Anmerkung des Webmasters:
Nach einer glaubwürdigen Zeugenaussage, wurde Schriever 1964 noch gesehen.
Es ist mittlerweile bekannt, daß Schriever bis 1966 in den USA auf einem geheimen
Stützpunkt gearbeitet hat.